Stahlwerk


Paul Linz im Portrait

Eigentlich wollte Paul Linz keinen Job in der Oberliga annehmen, zu groß sind eigentlich die Ambitionen des Mannes der schon immer Trainer werden wollte.
Doch die Verantwortlichen von Borussia Neunkirchen konnten ihn überzeugen, diese schwere Aufgabe anzunehmen. Die Nähe zu seiner Familie und seiner Heimatstadt Trier dürften sicherlich auch eine Rolle dabei gespielt haben.

“Er hat einen Bezug zur Region, kennt den regionalen Spielermarkt und
will in Neunkirchen etwas Nachhaltiges aufbauen”
Martin Bach

Seit Anfang des Jahres ist Paul Linz nun der Mann an der Seitenlinie bei Borussia Neunkirchen. Angefangen hat alles in Trier, geboren und aufgewachsen auf der Weberbach, später in seiner Jugend nach Ehrang und auf die Weismark umgezogen, ging er auf die Trierer Dewora Schule. Mit dem Fußball kam er schon früh durch seinen Vater in Kontakt. Sein erstes Spiel machte er für den VFL Trier, ein Kumpel nahm in mit. Dann wechselte er für ein Jahr zu Trier-West, weil sein Vater dort schon spielte, schließlich ging es zu seinem Verein Eintracht Trier. Wie damals üblich verließ Paul Linz mit 14 die Schule und machte erstmal eine Lehre zum Kfz-Mechaniker.

Foto: Quelle aus fussballdaten.de

Paul Linz bei seinem Profibebüt für Werder Bremen

Doch erst mit 20 Jahren merkte er, dass er das spielerische Potential hat, um wirklich weiter zu kommen. Nach vier Jahren Senioren-Fußball beim VFL Trier (in einer Saison schoss er 65 Tore) wagte er den Sprung und wechselte 1978 zu seiner ersten Profistation Werder Bremen. „Dort habe ich nicht oft gespielt, ich bin aber fit geworden“. Statt wie vorher zweimal die Woche, gab es jetzt zweimal am Tag Training. Nach einem kurzen Intermezzo beim OSC Bremerhaven, wo er Wolfgang Rolff kennen lernte und beide enge Freunde wurden, folgte der Wechsel zurück in den Süden zum Freiburger FC, hier schoß er in zwei Jahren 2.Liga 36 Tore. Was folgte war der Wechsel zu Waldhof Mannheim schon im ersten Jahr feierte er zusammen mit Maurizio Gaudino und Jürgen Kohler den Aufstieg in die Bundesliga. Das Rückspiel gegen Arminia Ludwigshafen dürfte bei Paul Linz große Errinnerungen wecken, spielte der Waldhof doch damals seine Bundesligaspiele im Ludwigshafener Südwest Stadion. Ein Jahr sollte er noch dort spielen bevor er zum Vfl Osnabrück wechselte. Durch den Abstieg des Vfl hieß das Oberliga, nach langer Anlaufzeit wurde er zur Führungspersönlichkeit und war ein zuverlässiger Torjäger. Erzielte zwischen 1984 und 1988 in 138 Punktspielen 69 Tore für den VfL. Wurde aber 1988 von Trainer Anton Rudinski aufs Abstellgleis geschoben.

1988 wechselte er zurück zur Trierer Eintracht, als Spielertrainer, aber der Versuch sollte scheitern. Der Trainerberuf war schon immer sein Ziel gewesen. Drum ließ er sich nicht entmutigen und wechselte für sechseinhalb Jahre, zuerst als Spieler, dann als Trainer zum FSV Salmrohr. In den Jahren beim FSV gelang es ihm die Amateurmeisterschaft und den Rheinlandpokal zu gewinnen, doch scheiterte Salmrohr 1991/92 bei den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga am Wuppertaler SV. Für ihn sollte es dennoch in die zweite Liga gehen, beim damaligen ewigen Zweitligisten SV Meppen schaffte er den Klassenerhalt, das Kunststück sollte ihm auch bei den Stuttgarter Kickers gelingen.

bei „seiner Eintracht“

Erneut ging es wieder zurück zu seiner Eintracht und was er dort bei seinem Amtsantritt vorfand, erinnert stark an seine ersten Tage bei Borussia.
„Als ich zur Eintracht kam, war es eine Katastrophe. Der Verein war tot. Ich musste erst einmal eine ganz neue Mannschaft formen und es war kein Geld da“.
Endlich konnte Linz sein Image als “Feuerwehrmann” ablegen. Er rettete Trier vor dem Abstieg. Im Laufe weniger Jahre machte er die Eintracht zu einer der „Top-Adressen“ der
Regionalliga. In der Saison 2000/2001 scheiterten die Trierer noch aufgrund eines zu wenig
geschossenen Tores am Aufstieg. Dieser gelang dann endlich eine Saison später und wurde am
vorletzten Spieltag mit einem Sieg gegen den TSG Hoffenheim perfekt. Sensationell beendete man die erste Saison als Siebter. Die Stärke des Teams war der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, zu dem Paul Linz nicht wenig beigetragen hatte. Zwei Jahre später begann das Schicksalsjahr für die Eintracht und Trainer Linz. Den Großteil der Saison hielt sich Trier im gesicherten Mittelfeld auf, bis in der Rückrunde mit der ersten Heimniederlage auch die Angst kam. „Alle Leute aus dem Umfeld haben gemeint: Das packt ihr schon!“ Vor den
letzten drei Heimspielen hatten alle in ihren Hinterköpfen: „Was soll denn da noch passieren?“
. Paul Linz jedoch mahnte vor solchen Einstellungen und behielt am Ende Recht. Das für schier unmöglich Gehaltene trat ein. Durch das Unentschieden gegen Saarbrücken am letzten Spieltag rutschen die Trierer auf die Abstiegsränge. Punktgleich mit dem Vierzehnten, Cottbus scheiterte der Klassenerhalt nur an der schlechteren Tordifferenz.
Was folgte waren Auseinandersetzungen mit den Fans in denen Paul Linz auch tätlich angegriffen wurde. Was seinen Rücktritt angeht äußerte er sich einmal so “Das ist so aufgebauscht worden. Das Ding wäre am nächsten Tag wieder aus der Welt gewesen. Da hätten wir zwei, der Junge und ich, uns unterhalten. Es war nicht so schlimm, wie es dargestellt worden ist. Das war ja auch nicht der Grund, warum ich zurückgetreten bin. Das kam hinzu, weil ich gesehen habe, wie ich attackiert worden bin. Das hätte ich nicht gedacht. Auch wie ich pressemäßig attackiert worden bin. Aber gut, damit muss man leben. Man kann aber nicht fünfeinhalb Jahre gegen zwei Minuten aufwiegen. Wenn man absteigt als Trainer, sollte ein Neuanfang gemacht werden.” Foto: borussia-online

„Eine Mannschaft zu übernehmen und richtig Gas zu geben“, darauf habe er wieder „richtig Bock“, sagte Paul Linz 2007. Er fand wieder nen Job beim nächsten Pflegefall, doch am Ende sollte er scheitern. Gescheitert an der Tradition des einstigen Europapokalsiegers, dem einzigen übrigens aus der DDR. Gescheitert an den übertriebenen Erwartungen im Umfeld. Vielleicht liegt dort einer der Gründe warum er sich für Borussia entschied. Wahrscheinlich hat er hier mehr Einflussmöglichkeiten. So wie damals in Trier, an seiner Seite sein Freund aus Kindheitstagen Dieter Lüders der ihm als Geschäftsführer nach Neunkirchen folgte. Was wohl letztlich der ausschlaggebende Punkt für den Zweijahresvertrag gewesen sein dürfte.

“Paul Linz weiß, wie man im Fußball zu Erfolgen kommt. Er hat uns bei allen sportlichen Entscheidungen der letzten Monate beratend zur Seite gestanden. Unser sportliches Konzept trägt seine Handschrift, und er wird als Cheftrainer die kommenden Jahre prägen”
Guiseppe Ferraro

Paul Linz hatte bekanntlich keinen wirklichen Vertrag, sondern gab sich und dem Verein eine “Probezeit” etwas was er auch schon in der Vergangenheit machte.
Sein Lebensmotto ist immer nach vorne und nie zurück zu schauen, „Was ich nicht immer schaffe, aber sein Lebensmotto muss einem ja nicht immer gelingen.“
Was er nicht leiden kann sind Alibi-Typen und er gibt zu, dass manche Leute an ihm mangelnde Kompromissbereitschaft und fehlende Diplomatie kritisieren. Es kann auch mal passieren, dass er ein bisschen zu lautstark wird, aber damit müssen die Menschen leben. So ist er halt/ eben. Ein Trainer mit Ecken und Kanten. Was irgendwann einmal nach Borussia kommt steht auch schon fest. “Ich werde unter Garantie noch einmal zur Eintracht zurückkehren. Da bin ich mir hundertprozentig sicher. Als was, ist eine andere Frage. Ob als Trainer, Manager oder im Vorstand. Sicher ist, dass ich in Trier meinen Lebensabend verbringen werde. Die Eintracht ist mein Verein. Ich habe meine ganze Jugend hier gespielt. Ich hätte damals nie gedacht, dass ich mal Chef hier werde.”

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