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Bezirksligist mit großer Tradition – was aus Eintracht Bad Kreuznach wurde
21. Dezember 2013, 11:51
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Der Kreuznacher Fußball steht und fällt mit seinem Aushängeschild Eintracht Bad Kreuznach und das im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei schaut der Traditionsverein dessen ältester Vorgängerverein der FC Kreuznach 02 ist auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurück.Bad-Kreuznach-Eintracht-SG1902-2b Wie viele Vereine dieser Zeit wurde auch der FC Kreuznach von bürgerlichen Kaufleuten und Schülern einer Realschule im Juni 1902 gegründet und wie bei vielen anderen Vereinen auch, folgten in den nächsten Jahren zahlreiche Fusionen. So das es den Namen Eintracht Bad Kreuznach erst seit dem Jahre 1932 gibt. Zum ersten Mal überregional nahm man die Eintracht aber erst nach dem zweiten Weltkrieg wahr. 1949/50 gewinnen die Blauen die Landesligameisterschaft und dürfen damit in der Qualirunde zur Oberliga mitspielen. Eine Qualifikationsrunde die in Bad Kreuznach wahrscheinlich noch heute die Kinder erzählt bekommen. Im letzten Qualifikationsspiel verlieren die Hausherren gegen den FC Konz mit 0:1, alle Aufstiegsträume scheinen bitter geplatzt. Erst irgendwelche Unregelmäßigkeiten beim Gast lassen den Verband die Punkte nach Bad Kreuznach geben, die nun punktgleich mit den Sportfreunden Herford ein Entscheidungsspiel austragen müssen. Auf dem Koblenzer Oberwerth gibt es trotz Verlängerung keinen Sieger. So das sich eine Woche später erneut zwei Sonderzüge auf die Reise ans deutsche Eck machen und diesmal lässt die Eintracht vor 7.000 Zuschauern nichts anbrennen und besiegt die Gäste aus Hessen deutlich mit 5:1.

Die erste Oberligasaison beendet man auf Platz 11, direkt vor dem großen Nachbarn Mainz 05. In der Saison darauf trifft man dann auch zum ersten Mal in Punktspielen auf saarländische Vereine, die nun wieder zurück im deutschen Ligensystem sind. Für die Eintracht beginnt die Saison mit einem grandiosen 1:1 gegen den großen 1.FC Kaiserslautern, am Ende aber steht als Vorletzter der Abstieg fest. Erst 1954 kehrt man wieder zurück, 10 Jahre blieb am nun fester Bestandteil der Oberliga. Doch mit dem Abstieg 1963 beginnt der erste Absturz in der Vereinsgeschichte. Nach einigen erfolglosen Aufstiegsversuchen steigt man 1967  in die 2.Amateurliga ab, zahlreiche Mitglieder kehren dem Verein den Rücken zu und der direkte Wiederaufstieg wird mit Platz drei deutlich verpasst. Besser lief es dann in der Saison 68/69 als man als Tabellenerster die Qualifikation zur Amateuroberliga erreichte. Das Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Enkenbach gegen Neupotz wird beim Stande von 1:0 für Neupotz wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen. Die Punkte bekam Neupotz zugesprochen, Bad Kreuznach bleibt viertklassig und muß im Jahr darauf noch eine viel größere Kröte schlucken. Denn dank des Aufstiegs der SG SW Bad Kreuznach am Saisonende, ist die Eintracht zum ersten Mal seit Jahrzehnten nur noch die zweite Kraft in der eigenen Stadt.

kreuznach mannschaftVielleicht brauchte der Verein im Nachheinein dieses Ereigniss um sich neu zu berappeln, denn prompt gelingt in der Folgesaison 70/71 der Wiederaufstieg in die höchste Amateurklasse. Neu aufgestellt und mit starken Neuzugängen hätte es sogar fast für einen Durchmarsch gereicht. Doch Eisbachtal und Theley sollten dem Favoriten in der Quali zur Regionalliga ein Bein stellen. Ein Jahr später ließ man sich nicht mehr stoppen und feierte gemeinsam mit Ensdorf den Aufstieg in die Regionalliga. Kurzzeitig folgten gar Gerüchte um eine Fusion mit dem SV Alsenborn was 2.Bundesliga bedeutet hätte, doch der Präsident beendete alle Fusionsträume. Im Gegenteil der Verein setzte in seinem zweiten Jahr in der Regionalliga einen drauf und holte sich die Meisterschaft, sogar die Qualifikationsrunde wurde diesmal souverän gemeistert. Die Eintracht stand vor der größten Zeit ihrer Vereinsgeschichte: 2.Bundesliga.

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Die Gegner hießen nun nicht mehr Grün-Weiß Hochspeyer, SV Worms-Horcheim oder Gummi-Mayer Landau sondern 1860 München, 1.FC Nürnberg oder VfB Stuttgart. Der Start verlief verheißungsvoll nach einem Drittel der Saison stand man recht unverdächtig in der Tabelle, doch nach der Aufstiegseuphorie kehrte langsam der Alltag ins Möbiusstadion zurück und mit ihm ein böser Kater. Ab November verlor man von 17 Spielen 15 Stück, daran konnte auch ein Trainerwechsel zu Erwin Türk (vormals Borussentrainer) nichts ändern. Das schmale Budget schlug unbarmherzig zurück, am Ende der Saison 75/76 war die Nahestadt wieder in der Amateurliga angekommen. Der direkte Wiederaufstieg wurde mit zwei dritten Plätzen verpasst und mit Wiedereinführung der Oberliga Südwest war der Traum Profifußball endgültig zerschlagen. Gegen die ambitionierten Saar und Rheinland Vereine, die nun wieder die direkte Konkurrenz waren, wurden die sportlichen Ziele wieder andere. Sukzessive ging es wieder bergab und 1988 war dann erstmal Schluß mit der Oberliga, es folgte ein Niedergang bis in die Bezirksliga Nahe. Erst 19996 ging es wieder aufwärts, zur Milleniumssaison war die Eintracht wieder Oberligist.

Erfolgstrainer war mit Karl-Heinz-Halter ein ehemaliger Borussenspieler und Trainer, der in den nächsten Jahren desöfteren gehen und wieder kommen sollte. Die Eintracht entwickelte sich unter dem Hotelier Gojko Lončar zu einer Skandalnudel der Oberliga. Finanziell vermeintlich gut aufgestellt, spielte man in der Liga vernünftig mit, scheiterte aber immer wieder an den teils fragwürdigen Personalentscheidungen des fachfremden Vereinsmäzens. Als dieser dann 2006 sein Präsidentenamt abgab dauerte es nicht mehr lange bis die finanziellen Probleme ans Tageslicht kamen. Die Eintracht stand mal wieder vor dem Abgrund. Die Mannschaft zerfiel in der laufenden Runde, der Trainer ging freiwillig mit und die Spirale setzte sich in Gang. Abstieg aus der Oberliga, Tabellenletzter in der Verbandsliga, allerdings durfte man dennoch ein weiteres Jahr dranhängen weil zwei andere Vereine auf ihr Startrecht verzichteten. Kuriosum am Rande: der neuzusammengestellte Vorstand bestand aus ehemaligen Funktionären aus Waldalgesheim und Ingelheim, die schon vorher ihr einsteigen kundtaten. Trotz der Verpflichtung von sieben neuen Spielern ging es sportlich weiter in die Hose und der Abstieg war diesmal nicht zu vermeiden. Auch die Landesliga war nur Zwischenstation, denn finanziell wie personell ging es weiter drunter und drüber. Mit der Abwahl des Präsidenten durch den Aufsichsrat, der dann auch ein Insolvenzverfahren einleitete, war auch die Landesligazeit Geschichte, man spielte die Runde ordentlich zu Ende und verabschiedete sich in die Bezirksliga. Dort konnte man am letzten Spieltag den Wiederaufstieg feiern, doch nach einem erneuten Abstieg befindet sich die Mannschaft aktuell in der Bezirksliga wieder, wo man erneut um den Aufstieg spielt.

vom Salinental Stadion – zum Friedrich Moebus Stadion 

In der Frühphase des Vereins war das Salinental vor den Toren der Stadt die erste Heimat. Heute schlägt das Sportherz der Stadt an jenem Fleck. Ob Hockey, Tennis, Football oder Leichtathletik für alles finden sich dort Möglichkeiten, nur ein Stadion findet sich dort nirgends. Dafür bezog die Eintracht ab 1926 „die Heidenmauer“, erster Gegner damals die Offenbacher Kickers. 1930 mit dem Abzug der Franzosen aus dem Rheinland gab es sogar eine überdachte Tribüne für 500 Zuschauer. Die „Heidenmauer“ liegt nur unweit des heutigen Spielorts auf der anderen Seite der Nahe, dort finden sich mittlerweile diverse Schulen.kreuznach haupttribüne

Das Friedrich Moebus Stadion wurde 1965 mit einer Kapazität von 15.000 Zuschauern eröffnet. Zwischenzeitlich fanden sogar 20.000 Zuschauer Platz, heute sind noch 10.000 Plätze zugelassen. Grund ist die Renovierung des Stadions zur WM 2006. Die Stadt Bad Kreuznach wollte sich mit dem Stadion als Trainingsstätte bewerben, allerdings fand man keine Berücksichtigung. Namensgeber Friedrich Moebus war Diplom Ingenieur in der Stadt und hinterließ bei seinem Ableben einiges an Vermögen das mit der Auflage verbunden war, damit einen Rasenplatz zu finanzieren.

ehemalige Borussen im blauen Dress

  • Horst Kirsch – Bundesligalegende spielte zum Abschluß seiner aktiven Karriere von 73 – 76 in Bad Kreuznach. Er stand während der Zweitligaära der Nahestädter im Kasten.
  • Achim Melcher – der aus Sobernheim stammende Linksaußen/Halbstürmer spielte vor seiner Zeit im Ellenfeld (u.a. Bundesliga) ebenfalls in Bad Kreuznach
  • Karl-Heinz-Halter – war sowohl als Spieler als auch als Trainer für beide Teams im Einsatz
  • Erwin Türk – trainierte beide Teams

bekannteste Spieler des Vereins

  • Mathias Abel – Mainz 05, Schalke 04, HSV, 1.FC Kaiserslautern
  • Lothar Buchmann – legendärer Trainer im Südwesten trainierte u.a. Darmstadt, Stuttgart und Frankfurt
  • Andreas Buck – beendete seine Karriere 2004 bei der Eintracht, spielte zuvor für den SC Freiburg, FCK und VfB Stuttgart
  • Josef Rasselnberg – schoß 1934 das erste WM Qualispieltor der deutschen Geschichte
  • Jürgen Wilhelm – schoß gegen den FC Homburg 1983 das Tor des Jahres mit einem Seitfallzieher
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