Stahlwerk


der Generationenkonflikt…
30. Oktober 2013, 16:52
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281217_10150245462072568_8230711_n.jpgFanfreundschaften werden vermutlich schon genauso lange diskutiert wie es sie gibt, also seit Anbeginn der Fankultur. Nur waren es in frühen Jahren eher Kontakte unter Einzelnen oder unter Fanclubs. So waren auch die heute legendären Freundschaften zwischen Schalker und Nürnbergern oder 1860 und Kaiserslautern am Anfang lediglich, freundschaftliche Beziehungen zwischen einzelnen Fanclubs. Erst mit den Neunzigern lernten Fanfreundschaften auch in immer größer werdenden Rahmen das laufen. Was vermutlich auch mit der einhergehenden Entstehung und Verbreitung von Fanzines zu tun hat. Die dadurch verbesserte Kommunikation innerhalb der Kurven und die Schaffung von Strukturen dürften bei dem Aufbau und der „Bekanntmachung“ von Freundschaften durchaus ihren Beitrag geleistet haben. Und letztlich nahm die Entwicklung durch überregionale Fanhefte und dem Internet immer größere Züge an. Doch wie im wahren Leben auch, Freundschaften kommen und gehen und Freunde fürs Leben sind rar gesät. In manchen Fällen wurden aus Freunde Feinde und andersherum…

Wirkliche Fanfreundschaften dürften vorallem ein Merkmal tragen, damit es letztlich auch wirkliche Freundschaften sind. Sie müssen auf allen Ebenen akzeptiert und getragen werden. Schert nur eine Gruppe aus, wird es zumeist schon kompliziert und der Nährboden für Auseinandersetzungen ist gelegt. Die Freundschaft zwischen Schalkern und Nürnbergern wird vermutlich auch deshalb gerne als Beispiel angeführt, weil trotz aller Heterogenität die in Fankurven und Stadien nunmal herrscht, hier alle Gruppen von Ultras über Kutten zu Hools an dieser Freundschaft maßgeblich beteiligt sind und das eben seit Generationen. Eine gewachsene Freundschaft sozusagen…

freundschaftliche Bande

freundschaftliche Bande

Und damit kommen wir dann, zu der seit dem Wochenende anhaltenden Diskussion um das Thema FCS und der Umgang mit der Thematik im Ellenfeld. Um zu verstehen das es überhaupt ein Thema ist, muß man die Vergangenheit beider Clubs berücksichtigen. Denn sowohl der FCS als auch Borussia pflegten über viele Jahre eine sportliche Rivalität, die sich letztlich auch auf die Ränge übertrug. Nicht ganz unerheblich ist dabei die damalige Entscheidung dem FCS den Startplatz in der neugegründeten Bundesliga zu übertragen. Nicht wenige Neunkircher sahen damals eine Verschwörung dahinter. Was vielleicht auch damit zu tun hat, das der FCS und der saarländische Fußballverband in der Vergangenheit einige personelle Überschneidungen hatten. Nicht wenige behaupten bis heute, dass der FCS vom Verband eine gewisse Bevorzugung geniesst. Ein Umstand der sich nicht beweisen lässt, aber der gefühlt immer wieder neue Nahrung erfährt. Ähnlich dürften sich sicherlich auch die Anhänger der anderen Saarclubs äußern, wenn man sie fragen würde.

Dieser Umstand führte zu einer gegenseitigen Abneigung die beidseitig gepflegt und ausgelebt wurde. So war es üblich das bei Derbys in Neunkirchen selbsterlassene Kneipenverbote herrschten. Für Saarbrücker konnte das durchaus gefährliche Züge annehmen den Versuch zu wagen irgendwo ein Bierchen zu trinken. Mit den Jahren sorgte aber die sportliche Vorherrschaft des FCS und der gleichzeitige sportliche Niedergang des Konkurrenten für klare Verhältnisse und mit dem FC Homburg trat ein neuer Kontrahent auf der saarländischen Fußballkarte auf. Was einiges verändern sollte. Die Rivalität der Blau-Schwarzen verlagerte sich nun in Richtung Saar-Pfalz. Zurück blieb die tiefe Abneigung vieler Neunkircher gegenüber dem FC und so gab es nicht wenige die dem neuen Konkurrenten die Dauem drückten. Heute unvorstellbar, damals üblich…So erzählt man sich bis heute, dass die Hools aus Neunkirchen und Homburg gemeinsame Sache machten, wenn es galt gegen den FC anzutreten. Irgendwann drehte sich da allerdings der Wind und Saarbrücker und Neunkircher starteten nun gemeinsame Aktionen. Seitdem konnte man immer wieder Saarbrücker Szenegänger im Ellenfeld sichten und über die Jahre verfestigten sich die Kontakte. Wobei es dabei abgesehen von den Hools bei Kontakten unter Einzelnen blieb. Dieser Zustand blieb eigentlich so bis der Ultragedanke auch in Neunkirchen aufkam. Nun wurden auch Gastbesuche im Ludwigspark zur Regelmässigkeit. Was dafür sorgte das die nun heranwachsende Generation die einstige Rivalität ablegte und mit dem FCH einen neuen Rivalen fand.

Schweren Herzens mussten ältere Stadiongänger akzeptieren, das nun auch blau-schwarze Farben im Ellenfeld zu sehen sind. Und auch wenn es für die gesetzteren Semester wahrscheinlich nur schwer verständlich ist, erfährt die Jugend durchaus die Toleranz ihrer Freundschaft. Aber die Jugend muß eben auch lernen das man vor der Geschichte Achtung haben sollte. Andere Generationen haben eben ihre eigenen Geschichten und andere Erfahrungen gemacht. Und wer glaubt das nur in Neunkirchen mal ein „Scheiß Saarbrücken“ vom Stapel gelassen wird, der darf sich gerne eines besseren belehren lassen. Denn auch ich habe schon die Erfahrung gemacht das Neunkircher durchaus nicht bei jedem Saarbrücker willkommen sind. Eine Tatsache die durchaus ok ist, wenn man sich bewußt macht, dass es sich hierbei nicht um eine Fanfreundschaft handelt, sondern um bevorzugte Symphatien verschiedener Generationen.

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