Stahlwerk


Auf der Suche nach Identität
16. Juni 2013, 13:15
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Choreo ArbeitervereinIch hab die Tage ein sehr interessantes Interview bei Facebook gepostet, komischerweise gab es kaum Reaktionen darauf. Dabei find ich das eigentlich ein sehr spanndes Thema, gerade dann wenn man sich selbst als Traditionsverein definiert. Und zwar hat der kompetente alles außer sport Blog ein Interview mit einem Sport PR Vertreter geführt, der seine Magisterarbeit über den VfB Stuttgart der 50,60iger Jahre geschrieben hat. Der Titel des Interviews „Auf der Suche nach Identität“ gibt dann auch die Richtung vor. So stellt Adriano Gómez-Bantel so heißt der PR Vertreter einige schöne Standpunkte in dem Raum und man kommt eigentlich nicht umhin sich zu fragen wie das eigentlich beim eigenen Verein so aussieht.

Wenn die Außenwirkung eines Vereins authentisch sein soll, muss der Markenkern oder das Leitbild die Vereinsidentität wiedergeben – und die hat ihren Ursprung in der Historie des Vereins. Die Vereinsidentität lässt sich nicht künstlich erschaffen, sondern sie ist organisch gewachsen. Es handelt sich dabei um die Besonderheiten eines Vereins, im besten Fall sogar dessen Alleinstellungsmerkmale. Ebenfalls wichtig für das Leitbild sind die Anhänger, die von außen die Vereinsidentität prägen […]

und wenn ich diesen Text so lese tue ich mich schwer zu erklären was die Historie des Vereins ist. Wahrscheinlich auch deshalb weil es dieses Bild so gar nicht gibt bei Borussia. Allgemein redet man nur vom Traditionsverein, aber ist nicht das was man unter Tradition versteht die Identität? Hoffenheim spielt jetzt schon länger in der Bundesliga als es Borussia getan hat, dennoch zählt Borussia als Traditionsverein Hoffenheim nicht. Die sportlich erfolgreichen Zeiten gehören dazu, aber und da hat der PR-Vertreter nicht ganz unrecht es muß organisch gewachsen sein. Bei Borussia war es einfach die Entwicklung des Vereins, der Lauf der Zeit. In Hoffenheim ein am Reisbrett geplanter Durchmarsch, was wohl der entscheidendere Unterschied ist als das Geld. Denn das wird auch Borussia gebraucht haben um sportlich erfolgreich zu bleiben in jener Zeit. Mit was verbindet man Borussia, was ist die organisch gewachsene Vereinsidentität. Nicht nur der Verein und seine Anhänger selbst, auch die regionalen Medien vermitteln dieses Bild nicht. Anders hingegen ein Blick in überregionale Gazetten, da spricht man vom „Schalke des Südwestens“. Da besteht ein Bild des kleinen Underdogs aus der einstmals kleinsten Bundesligastadt mit Malocherimage gegen die Großen der Zunft.

Der Kern für das Leitbild liegt meistens bei der Vereinsgründung, dann hat sich dieses Bild über die Jahrzehnte hinweg weiterentwickelt. Die Vereinsidentität ist somit organisch gewachsen.

Wenn ich das zugrunde lege ist Borussia eigentlich ein bürgerlicher Verein, aber ist nicht letztlich doch über die Jahre ein Arbeiterverein aus ihm geworden? Das Eisenwerk und die Brauerei haben für Jahrzehnte diese Stadt geprägt, letztlich erst zu einer gemacht und Borussia zog samstag für samstag tausende in seinen Bann, darunter sicherlich viele Arbeiter von den umliegenden Hütten, dem Eisenwerk oder der Brauerei. Wie eng das Verhältniss einmal war zeigen Fotos in denen die „Kumpels“ im Ellenfeld für den Erhalt ihrer Jobs demonstrierten. Selbst als gerade über das „endgültige Aus“ des Bergbau´s an der Saar entschieden wurde, sammelten Kumpels vor dem Ellenfeld unterschriften. Entgegen dem damaligen Zeitgeist zeigte sich Borussia mit den Bergleuten solidarisch. Ist Borussia jetzt also der typische Arbeiterclub? Wenn man es auf den Fussball selbst beziehen wollte, würde ich sagen im Ellenfeld war der Fussball schon immer kämpferisch geprägt, mehr gearbeitet als gespielt. Zweifelsohne hatte man aber auch immer große Fussballer in seinen Reihen. Aber ist diese Beschreibung letztlich noch zeitgemäß, ist das noch die Identität des Vereins? Es wäre zumindest das Alleinstellungsmerkmal gegenüber der saarländischen Konkurrenz. Doch mit dem Strukturwandel der Stadt hin zu Dienstleistungen, notgedrungen weg von der klassischen Industrie scheint auch diese Bindung verloren gegangen zu sein.

Ein Verein muss sich selbst sehr gut beobachten. Der oberflächliche Blick reicht dabei nicht aus – der Blick muss in die Tiefe gehen, sonst ist die Selbstdefinition nicht authentisch. Hat aber ein Verein durch die Entdeckung und Aufbereitung seiner eigenen Geschichte sein Profil entdeckt und geschärft, dann kann er seine Leitlinien glaubwürdig in die Öffentlichkeit tragen.

also doch „Back to the Roots“? Zumindest könnte der Weg das Ziel sein. Denn einen Strukturwandel später irrt die Stadt und sein Verein immer noch auf der Suche nach der „neuen“ Identität. Vielleicht wäre ja das Bekenntniss zur Vergangenheit, auch ein Anfang für die Zukunft. Denn so manche Diskussion in der Vergangenheit war und ist glaub ich eben auch geprägt von der Suche nach Identität. Vorallem beim Thema Ellenfeld spürt man diese Emotionalität besonders.

Wäre vielleicht mal sehr schön zu lesen wie ihr das ganze seht, ist Borussia ein Arbeiterverein gewesen ist er es noch immer? Und wenn ja welche Konsequenzen müsste man HEUTE daraus ziehen? Oder seht ihr den Verein vielleicht mit ganz anderen Augen und habt ein ganz anderes Verständniss der Identität. Was sind die Alleinstellungsmerkmale, das Besondere an diesem Verein? Was unterscheidet uns mal abgesehen vom sportlichen Erfolg oder dem Geld, von einem FC Homburg, SV Elversberg oder 1.FC Saarbrücken? Oder was könnte es in der Zukunft wieder sein…ich fände es dem Thema angemessen wenn es nicht auf zwei, drei Sätze bei Facebook hinausläuft, sondern ihr das Kommentarfeld nutzt, was euch zugleich die Möglichkeit bietet längere Texte zu verfassen…

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1 Kommentar so far
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Was die „Alleinstellungsmerkmale“ sind, können, glaube ich, kompetentere Leute beantworten.
Ich schildere es mal aus meiner rein subjektiven Sicht, was die Borussia so einzigartig macht.
Eigentlich bin ich mit diesem Verein aufgewachsen. 1974 oder 1975 habe ich das erste Spiel gesehen. Ich habe aber gleichzeitig noch die Erinnerungen an die Zeit, als Kohle und Stahl das Bild der Stadt geprägt hatten, als die Straßenbahnen noch fuhren.
Von daher ist NK für mich keine Dienstleistungsstadt und wird auch keine „Kultur“stadt, wie es unsere Stadtväter gerne hätten, werden. Dazu hat „das Erbe“, so heißt eine aktuelle Ausstellung bei uns, Stadt und Einwohner zu sehr geprägt. Vielleicht ändert sich das in 10 oder 20 Jahren, wünschen würde ich mir das nicht.
Und zu diesem Erbe gehört für mich die Borussia. Im Verständnis vieler ist zu sehr diese Arbeitertradition mit dem Verein verbunden.
Hör Dich auf der Straße um. Von den „Jahrhundertspielen“, auch wenn es nicht allzu viele gewesen sein mögen oder, in der Relation für einen Bayernfan eher nichtig, sprechen die älteren heute noch. Genau so, wie sie darüber erzählen, wie es unter Tage war oder „uff da hitt“. Die Borussia war der Gegenpol zum schweren Alltag, bei dem man auch mal die Sau rauslassen durfte.
Viele ehemalige Kumpel oder Hüttenarbeiter sehen sich heute noch als große Familie. Genauso war es dann auch im Stadion.
Diese Beziehung ist eben gewachsen über mittlerweile mehr als hundert Jahren. NK hat die Entwicklung des Fußballs in Deutschland von Anfang an mitgemacht. In den frühen Zwanzigern schlug man damals auch die vermeintlich beste Vereinsmannschaft in Europa. Auch wenn es damals internationale Vergleiche nur im Rahmen von Freundschaftsspielen gab. Spieler aus dieser Zeit,wie Fischera, sind heute noch Legenden in NK. Hier ist also allmählich etwas gewachsen, was über Jahrzehnte die Identität der Einwohner dieser Stadt mitgeprägt hat.

In meiner Kindheit in den Siebzigern gab es nur 2 relevante Fragen bei uns Steppkes (ich wuchs ab der dritten Klasse in der Nähe von Elversberg auf):
1) Bayern oder Gladbach Fan?
2) SB oder NK Fan?
Beide Fragen konnte ich mit nur einem Wort beantworten: Borussia! 😀

Ein Beispiel noch dafür, was die Borussia so einzigartig macht und ihre Spielstätte:
Des öfteren war die Zukunft des Ellenfeldes Gesprächsstoff in meinem Umfeld. Auch bei denen, die mit Fußball absolut nix am Hut haben, gehört das Stadion einfach unverzichtbar zum Stadtbild. Genauso wie das leider abgerissene Hallenbad. Als Auswärtiger mag man sich fragen, was so toll an diesem Bad war. Aber es war ein Stück weit Identität. Und genauso verhält es sich mit unserem Stadion. Es gehört einfach dazu. Ob man Fußball mag oder nicht!

Wenn man sich ansieht, daß traditionelle Arbeiterparteien zusammengezählt bayerische Verhältnisse mehr als toppen, sieht man schon, wie sehr unser Erbe immer noch diese Stadt prägt.
Von daher ist die Borussia für mich ein Arbeiterverein!
Denn das Gros des Potentials an Zuschauern fühlt sich ja offentsichtlich noch mit dieser Arbeitertradition verbunden!

Kommentar von Russel J.




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