Stahlwerk


ich war beeindruckt von dem Stadion – Interview mit Steven (Garde Noire) Teil 1
4. Juni 2013, 15:47
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Steven NebeneingangWährend des Interviews ist mir aufgefallen das ich von all den Leuten rundum den Verein schon immer am meisten mit Steven zu tun hatte. Dabei war ich nie Teil seiner Gruppe, wir sind völlig grundverschieden, dennoch haben wir unfassbar viel gemeinsam erlebt und organisiert. Zweifelsohne würde es viele dieser Bilder ohne Steven gar nicht geben, vieles wäre bei weitem nicht so bunt und lautstark gelaufen und der Block 5 wäre vermutlich schon vor vielen Jahren verwaist gewesen. Beide teilen wir das Interesse für die Fanbewegung im Allgemeinen und bei Borussia im Besonderen. So erklärt sich auch letztlich das dieses Interview sich fast nur mit dem Geschehen auf den Rängen befasst, denn für uns beide ist es ein großes Anliegen das die Geschichte auf den Rängen des Ellenfelds nicht vergessen geht…

Hallo Steven, du dürftest schon dein halbes Leben zur Borussia rennen, welchem Ereigniss oder Erlebniss hast du diese Fügung zu verdanken?

Mein erstes Spiel war damals in der Saison 94/95, das war ein Heimspiel gegen den SC Hauenstein. Ich und mein damals bester Kumpel hatten Langweile gehabt, es war zwar schönes Wetter draußen, aber wie das in jungen Jahren halt so ist, man wußte nichts mit sich anzufangen. Meine Mutter kam dann auf die Idee (was sie Jahre später bereut hatte) uns ins Ellenfeld zu schicken. Wir waren damals beide Fussball begeistert (Werder Fans), hatten aber noch nie ein Stadion von innen gesehen. So fuhren wir dann mit dem Bus zum Stadion und standen in dem Riesending, dass leider nicht so gut gefüllt war, wie wir es von anderen Stadien aus dem Fernseh kannten 🙂

Welche Erinnerungen sind dir von dem Spiel haften geblieben?

An das Spiel kann ich mich gar nicht mehr so erinnern…ich war beeindruckt von dem Stadion, damals konnte man sich so ziemlich frei bewegen. Erster Anlauf war die Gegengerade, wo man gute Sicht auf den Fanblock hatte. Etwas später standen wir dann ganz oben auf der Spießer Kurve, wo ein Mann ein kleines Radio dabei hatte und wir den 6:1 Erfolg unseres SV Werder noch lauschen konnten.

Fanclub Hüttenjungs

Fanclub Hüttenjungs

Fanblock ist ein gutes Stichwort…kannst du dich noch daran erinnern, wie er damals aussah, ob Fahnen hingen, es Schwenkfahnen und Gesänge ect, gab?

Damals sah der Fanblock noch sehr einfach aus, einfach gemalte Fahnen zusammen genäht ohne großen Schnick – Schnack, also nicht so wie es heute der Fall ist. Die Fans hatten teilweise schwarz weiße Streifen im Gesicht (Kriegsbemalung wie bei den Indianern 🙂 und Ballonmützen auf. Einer stand da mit der großen Trommel und 1-2 mit kleineren Trommeln neben ihm am Wellenbrecher. Damals wurden einfache Schlachtgesänge angestimmt, die aber sehr laut gesungen wurden. Die ein oder andere Schwenkfahne gabs auch, aber nicht so groß wie sie teilweise heute sind.

Ich hab in einem Buch einen Bericht von Tobias Fuchs und Frank Ehrmanntraut gelesen, in dem man 98/99 die Wiederauferstehung der Fanszene feierte. Das ist grob 5 Jahre nach deinem ersten Spiel, was hat zur Auflösung der Fanszene zu der Zeit geführt, kannst du dich daran noch erinnern?

Ich hatte damals ja nicht so den Einblick in die kleine Fanszene. Ich denke mal das mit dem Abstieg in der Saison 95/96, viele einfach weg gebrochen sind. Die beiden darauf folgenden Saisons waren ja auch nicht so toll und da bleiben irgendwann die Leute auf der Strecke. 98/99 klopften wir dann wieder an der Regionalliga an, dass war eigentlich die erste Saison, in der ich öfters auswärts gefahren bin. Man kannte so langsam die Gesichter aus der Fankurve. Ich hatte mir damals sogar ne Trommel zugelegt und war stolz wie Oskar, neben Sascha zu trommeln. Zu der Zeit kamen auch andere Jugendliche/Kids wieder in den Fanblock. Ich glaube das zusammen mit der doch guten Saison unserer Borussia, hat zur Wiederauferstehung der kleinen Fanszene geführt. Damals gab es auch ein recht gutes Verhältniss mit der Mannschaft, so wie man es heute nur noch in den unteren Klassen findet.

Auswärtschoreo im Ludwigspark

Auswärtschoreo im Ludwigspark

Die Konsequenz aus der Wiederauferstehung waren die Hüttenjungs…warst du eigentlich auch in dem Fanclub?

Ja auch ich war damals bei den Hüttenjungs, ich glaub irgendwo im Schrank liegt auch noch der Schal. Es war damals eigentlich ne gute Gemeinschaft aus jung und alt, Mann und Frau. Es gab auch einmal die Woche einen Stammtisch in der Funzl!, bei dem man über Gott und die Welt quatschte, aber Hauptthema war immer die Borussia und Fussball. Das war ja auch die Zeit, in der du zur Borussia gekommen bist.

Das stimmt mein erstes Spiel war das vorletzte von Heinz Halter…Wie hast du die Zeit in Erinnerung, auch an den Fanclub?

Ja Vogler Tours waren immer legendär, allein die Tour zum Vfl Hamm wird wohl unvergessen bleiben. Es war einfach ne schöne Zeit, der Zusammenhalt war riesig. Damals schwappte ja auch die Ultrawelle durch die deutschen Stadien und so wurden auch in Neunkirchen Rauchbomben und Bengalos gezündet. Höhepunkt war das letzte Heimspiel in der Oberliga gegen Eisbachtal, als der ganze Fanblock (heute Block 5) rot brannte. Auch eine kleine Papptafelchoreo mit dem Borussenwappen wurde angefertigt. Der Support den wir damals abgeliefert haben war echt erste Sahne zu dieser Zeit, alle haben mitgezogen, aber als Ultras sollte man die Hüttenjungs nicht sehen. Wobei das später wohl zum Reibungspunkt zwischen jung und alt werden sollte. Der Fanclub Ostkurve war eine kleine Gemeinschaft von Freunden,  die sehr trinkfreudig waren und auch bei jedem Spiel die Borussia lautstark unterstützten. Leider trifft man aus verschiedenen Gründen keinen mehr von ihnen im Ellenfeld an.

Wenn du die Abspaltung schon ansprichst, eine treibende Kraft dürftest du dabei gespielt haben…bei dir war der Ultragedanke auf fruchtbaren Boden gefallen.

Ja du hast mich damals ja schon angefixt damit, mir das erste Match live mitgebracht, Fotos aus Italien gezeigt etc. Wie ich ja schon schrieb, kamen damals auch noch andere jüngere Fans ins Stadion und mit dem Aufstieg kamen noch einige dazu. Ich war ja schon total angefixt mit dem Ultra`gedanken, besser gesagt was man damals für Ultra`gehalten hat. Damals eckte ich bei dem ein oder anderen älteren Fan schon an wegen Doppelhaltern oder Logo für die Hüttenjungs. Ausschlaggebend war wohl damals die Aussage eines Mitglieds: „Wir sind keine Ultras und wollen auch keine sein“. Das war wohl für mich der Grund warum ich mich damals von den Hüttenjungs abwand und meine erste Zaunfahne (Rabauke Neunkirchen) malte. Um die anderen in meinem Alter weiter anzufixen brannte ich Cd´s mit Bildern von anderen Gruppen aus Deutschland und Italien. Während die Hüttenjungs sich langsam aber sicher spalteten, in jung und alt.

Aufstiegsfeier

Aufstiegsfeier

Wenn du den Aufstieg schon ansprichst, wie hast du die sportliche Zeit von damals in Erinnerung, ging es bekanntlich doch sehr wechselhaft zu…Aufstieg, Abstieg, Saarlandpokalsieger, Insolvenz, Wiederauferstehung und und und…

Der Aufstieg damals war natürlich Hammer, ich werde niemals das Auswärtsspiel in Mainz am Bruchweg vergessen. Ein paar hundert Neunkircher folgten der Borussia zu diesem Spiel, ein Großteil des Gästeblocks zog 90min lautstark mit, ein paar Bengalos gabs auch. Ich würd sagen das ist bis jetzt immer noch das beste Auswärtsspiel das ich mit der alten Dame mitgemacht habe. Der Aufstieg dann im Salmrohr vor gut 2000 Borussen und die nicht enden wollende Feier zusammen mit den Spielern, bis in die Morgenstunden. Beim letzten Spiel gegen Eisbachtal kam ich ins Stadion und der ganze Zaun war schwarz weiß geschmückt, die Stimmung war ausgelassen und nach Schlußpfiff wurde die Fankurve in ein rotes Licht gehüllt, so wie ich es aus Italien kannte. Die Saison war mit Abstand die schönste die ich mit der Borussia erleben durfte. Nicht weil es eine erfolgreiche Saison war, sondern der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft hatte etwas besonderes, dies nahm in den folgenden Jahren immer mehr ab.
Nach dem Aufstieg kam dann ganz schnell die Ernüchterung. Im ersten Spiel kam direkt ne Klatsche gegen Schweinfurt, schnell wurde klar das der Verein kein Geld mehr hat. Der Verein ging insolvent und bald schon war sicher das wir als erster Verein absteigen werden. Waren beim ersten Spiel knapp 4000 Zuschauer, so verliefen sich bald nur noch knapp 1000 (viell. ein paar hundert ins Ellenfeld) sportlich lief es auch nicht so toll und so juckte es bald kaum noch einen. Im Heimspiel gegen Darmstadt hatte der City Service noch seinen großen Auftritt und es knallte vor, während und nach dem Spiel mit dem Darmstädter Kollegen. Folge natürlich, massig SV´s (Stadionverbote), so sollte es bei den anderen Spielen ruhig bleiben.
Bestes Heimspiel war zuhause gegen die Bayern Amateure, die mit viel Volk angereist waren trotz 2:3 Niederlage für Schwarz Weiß – Super Stimmung. Ich glaub das war auch das erste mal das ich den Vorsänger machen durfte, aber auch die Bayern liesen sich nicht lumpen und zogen 90min durch.
Auswärts blieb mir Regensburg sehr in Erinnerung, mit ca.15 Borussen lauter als der ganze Heimblock (der steckte noch in den Kinderschuhen), was uns auch der Fanbeauftrage vom Jahn bestätigte. Damals war auch noch unsere Sektion Bayern aktiv. Wenn ihr dieses Interview lesen solltet, Gruß an Euch, lasst Euch nochmal blicken.

zu Hause gegen FCS RL

zu Hause gegen FCS RL

Das Pokalfinale am Ende gegen Homburg war dann auch der endgültige Bruch zwischen jung und alt. Auslöser waren die Pyroaktionen in HZ 1 und kurz vor Schluß, wo eure SBZ – Fahne brannte. Wir führten und durch die Pyrokation stand das Spiel  kurz vorm Abbruch, am Ende gings dann doch gut und wir bekamen den FC Bayern im Pokal zugelost. Ich hätte mir ein besseres Los gewünscht aus Fansicht, aber finanziell war es für den insolventen Verein die Rettung.

Der Block 5 war die letzten Regionalligaspiele auch schon leer, ab wann fing denn das Inferno an die Stimmung in der Kurve zu übernehmen?

Ja da war nicht mehr viel los, die Alten hatten sich immer mehr zurückgezogen bei den Heimspielen. Die paar jungen zündeten hin und wieder Pyro, ansonsten war da nicht mehr viel los. Zu erwähnen war noch der Versuch einer Papptafelchoreo beim Pokalspiel gegen Bayern von den Hüttenjungs, die aber aufgrund des unerfahrenen Neunkircher Publikums (teilweise auch Dummheit) nicht hochgehalten wurde. Die nächsten beiden Jahre verliefen recht unorganisiert, die jungen standen zwar zusammen, malten Doppelhalter etc. aber ne Gruppe gabs noch nicht. Irgendwann 2005 setzte man sich dann endlich mal zusammen und überlegte wie man die Gruppe nennen könnte, von Black Sheeps, Ultras Neunkirchen und Stumms Erben gabs viele Vorschläge, am Ende setzte sich dann Inferno NK 05 durch.
Man starte mit 5 Leuten und die Mitgliederzahl stieg für Neunkircher Verhältnisse recht schnell an, zu Spitzenzeiten waren wir zusammen mit Umfeld gut 25 Leute. Die ein oder andere Szene wird darüber lachen, aber für eine kleine Szene wie die in Neunkirchen, war das schon ein Erfolg. Man machte sich schnell bei der Neunkircher Jugend einen Namen, leider nicht nur positiv. Es war auch nicht schwer das Zepter in der Kurve zu bekommen, die älteren Fans stellten sich nicht mehr in die Kurve und die Hools hatten immer noch Stadionverbot, so waren wir der einzig aktive Teil im Stadion.

der zweite Teil des Interviews bezieht sich auf die Zeit des Inferno NK bis heute zur Garde Noireellenfeld in der totale

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3 Kommentare so far
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hey jupp. freut mich von dir zu hören. hoffe man trinkt dann das ein oder andere bier zusammen, wenn du wieder da bist. und deine zaunfahne nicht vergessen.

gruß steven

Kommentar von Steven GN10

Grüß dich Jupp, schön das du mal wieder ein Lebenszeichen von dir gibst :-)…Danke für das Lob und eins zurück schön das du Borussia immer noch die Stange hälst…

Gruß Nicky

Kommentar von Nicky

Hallo Nicky und hallo Steven,

Servus und schönen Gruß aus Bayern !
Hatte die letzten Jahre wenig Zeit, werde aber zukünftig wieder öfter im Ellenfeld auftauchen.
Tolle Seite und sehr schönes Interview – freue mich auf den zweiten Teil (da kommen viele Erinnerungen hoch).

Gruß an alle Borussen und die Berliner
Jupp
( früher Isenszene – jetzt, nach Umzug, Finsinger)

Kommentar von Jupp




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