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NICHT ABSTEIGEN…Wie wir das erreichen, ist mir egal – Interview mit Christoph Serr
24. Februar 2013, 14:06
Filed under: All, Interviews | Schlagwörter: ,

Seit Januar ist Christoph Serr neuer Trainer der zweiten Mannschaft und hat damit einen Job übernommen, um den ihn wohl nur wenige beneiden. Das Ziel oder der Wunsch ist nicht weniger als den ungebremsten Fall von der Saarlandliga in die Landesliga zu verhindern.Foto:borussia online Was auch unter den aktuellen Umständen keine leichte Aufgabe wird, leidet bekanntlich die Zweite im Besonderen unter den Versäumnissen der Vergangenheit. Dazu haben mit Peter Müller (SVN Zweibrücken), Georgios Anastasopoulos (SF Köllerbach), Dennis Höchst und Maik Steis wichtige Leistungsträger den Verein im Winter verlassen. Wie Christoph Serr zur Borussia kam und wie er die Aufgabe sieht könnt ihr im folgenden Interview nachlesen.

Hallo Christoph, du bist schon lange im Verein tätig, dennoch kennt dich nicht jeder…vielleicht kannst du zum Einstieg mal erzählen wie du zum Verein gekommen bist und was du die
letzten Jahre an Aufgaben übernommen hast?

Also ich bin seit September 1998 in unterschiedlichsten Funktionen bei Borussia tätig. Meine beiden Jungs (Attila und Dennis) waren damals 6 Jahre alt und ich war auf der Suche nach einem Verein, der die für mich beste Jugendausbildung zur Verfügung stellte. Also schaute ich mir verschiedene Jugendabteilungen an, sprach mit den unterschiedlichsten Leuten und entschied mich dann für die Borussia, da ich hier das größte Potential sah. Schon nach kurzer Zeit war mir klar, dass es auch in einem großen Verein nicht ohne Ehrenamt geht und ich war von der damaligen Jugendabteilung und deren Engagement so angetan, dass ich direkt bereit war, zu helfen. Meist als Betreuer oder Co-Trainer durchlief ich alle Jugendmannschaften bis hin zur U23. Die Arbeit hat mir immer viel Freude bereitet und ich habe so ziehmlich alles erlebt, gute, wie auch schlechte Zeiten. Dass mich nicht alle kennen liegt daran, dass ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Für mich war und ist immer die Mannschaft der Mittelpunkt.

Seit Winter bist du jetzt Trainer der zweiten Mannschaft, wie kam es zu der Aufgabe?

Das war wie ein Deja-Vu in der Jugendarbeit. Sighard Groß hat die Mannschaft übernommen und mich gefragt, ob ich ihn in dieser Aufgabe unterstütze. Wenn man schon so lange bei Borussia ehrenamtlich engagiert ist, kann man nicht nein sagen. Leider musste Sighard aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen und die Mannschaft stand ohne Coach da. Ich konnte die Jungs ja nicht hängen lassen und war bereit, die Aufgabe zu übernehmen.

Auch der Kader hat einige Veränderungen im Winter erlebt. Wie schätzt du die Stärke der Mannschaft aktuell ein?

Das ist eine ganz schwierige Frage…die Wintervorbereitung war eine einzige Katastrophe. Alle Vorbereitungsspiele fielen dem Wetter zum Opfer. Lediglich ein „Kombi-Spiel“ konnte
gegen den Polizei-Sportverein Trier durchgeführt werden. Eine Halbzeit spielte die U19, eine Halbzeit die U23. Wir konnten zwar unsere Halbzeit gewinnen, allerdings war der Gegner nicht auf Verbandsliga-Niveau, sodass man keine Schlüsse ziehen kann. Leider haben uns im Winter Peter Müller, Dennis Höchst, Mike Steis und Georgios Anastasopoulos
verlassen. Das waren schon, trotz ihren jungen Alters, gestandene Stammspieler. Da unser Kader eh schon sehr, sehr klein war/ist, war das eine Hiobsbotschaft für das Team. Du kannst in der kürze der Zeit so etwas nicht kompensieren. Neu im Team sind Pierre Bischara, Fiore Lento, Ahmet Can Savas, Ferhat Kizmaz sowie Francesco Rusello. Die Jungs sind engagiert, hängen sich voll rein und ziehen mit. Sie müssen sich aber an die neue Klasse gewöhnen und darin sehe ich noch das größte Problem. Du kannst in 4 Wochen keine Wunder erwarten…

Die Vorrunde wurde mit 8 Punkten abgeschlossen, mit etwas Abstand was waren die Gründe für diese Entwicklung?

Die Situation in der Zweiten hat sich nicht verbessert. Es fehlt an allen Ecken und Kanten, vor allem an Geld. Qualitativ gute Spieler kommen nicht mehr für Lau, die Zeiten sind vorbei.
Wir hatten in den letzten Jahren genug talentierte Spieler, die man nicht halten konnte. Viele von ihnen spielen heute gegen uns. Die Entwicklung zeigt nach Unten, was mich sehr ärgert. Heute bin ich froh, wenn 11 Spieler am Spieltag da sind. Ganz zu schweigen vom Trainingsbetrieb…Hier muss eine Lösung gefunden werden oder das macht keinen Sinn mehr.
Daher konnten wir in der Vorrunde nur 8 Punkte holen. Volker Hertel hatte keine leichte Aufgabe. Auch er hatte sich das alles etwas anders vorgestellt, aber es ist nunmal, wie es ist.
Wenn nur 8 Kaderspieler zur Verfügung stehen und dann noch welche verletzt werden, bist du von der U19 und der ersten Mannschaft abhängig. Aber auch die haben ihre eigenen Probleme.

Worauf hast du jetzt in der Vorbereitung besonderen Wert gelegt?

Motivation…du glaubst nicht, wie schwierig es ist, die Jungs bei Laune zu halten. Manchmal bin ich mehr Psychologe, als Trainer.

Was darf man in der Rückrunde von der Mannschaft erwarten, welche Ziele habt ihr Euch gesetzt?

Es gibt nur ein Ziel: NICHT ABSTEIGEN…Wie wir das erreichen, ist mir egal. Mir ist auch egal, wenn jemand lästert, dass die Mannschaft keinen schönen Fußball spielt. Wir brauchen Punkte und keinen Schönheitspreis. Das ist unser primäres Ziel. Leider entspricht das nicht meiner Philosophie, doch die derzeitige Situation lässt mir keine andere Wahl.

Jeder Trainer hat so seine Philosophie, wie sind deine Vorstellungen, welchen Fußball soll die Mannschaft spielen?

Hier gehen Wunschgedanke und Realität weit auseinander…Ich durfte in der Vergangenheit schon bei vielen Trainern helfen. Darunter waren unter anderem Edgar Weller und Adetunji Adeyemi. So ein Gemisch von deren Philosophie schwebt mir vor. Edgar Weller legt viel Wert auf Kondition und Kraft, Tunji auf ein kompaktes, taktisch kluges Spiel.
Ich mag es, wenn ein Team geschlossen und schnell umschaltet. Ich persönlich favorisiere ein 4-4-2. Oder ums einfach auszudrücken: Ich gewinne lieber 5:4, als 1:0…und verlieren mag ich gar nicht. Was sich mit dem jetzigen Team umsetzen lässt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Trainingseifer reicht da nicht aus…
Daher wiederhole ich mich nochmal: Meine Devise lautet derzeit, zu punkten, egal wie. Ich will keinen Libero mehr spielen lassen, wenn es aber nötig wird, passiert auch das.

Die zweite Mannschaft hat ja traditionell einen eher dünnen Kader, wie sieht in der Hinsicht die Zusammenarbeit mit Catalin seiner A-Jugend aus? Gibts da Spieler die Euch jetzt kurzfristig weiterhelfen oder muß man da noch etwas Geduld haben?

Wir haben keine U19 mehr, die Regionalliga spielt. Das merkt man schon. Trotzdem gibt es den ein oder anderen Spieler, der für die U23 wichtig ist. Tobias Masyk hat schon in den letzten Spielen geholfen, ebenso Salvatore Radio und Aaron Müller. Es sind Spieler des Jahrgangs ’94. Ab 2013 können nun auch Spieler des 95er Jahrgangs spielen. Hier sind Sandro Bauer und Alexander Müller zwei Spieler, die bereits bei der U23 mittrainiert haben. Alle anderen stehen unter meiner Beobachtung. Mit Racanel Catalin hat die U19 einen super Trainer, der ebenfalls für die Durchlässigkeit der Spieler steht. Ganz klar muss man den Jungs Zeit geben, sich zu entwickeln. Leider haben wir in der U23 keine Zeit mehr, uns steht das Wasser bis zum Hals und die Jungs müssen ins kalte Wasser geworfen werden.

Viel Glück dir und der Mannschaft für die Rückrunde…


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2 Kommentare so far
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Danke Russel…

Kommentar von Christoph

Christoph, alles Gute! Ich denke, mit Dir haben wir den richtigen Mann in dieser Situation!
Und entschuldige, daß ich Dir zu spät für Deinen Geburtstag gratuliere!

Mehr als nachträglich meine besten Wünsche zu Deinem Geburtstag!

Kommentar von Russel J.




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