Stahlwerk


In Frage gestellt…
15. November 2012, 15:38
Filed under: All

Am vergangenen Samstag kam es beim Bundesligaspiel Bayern München gegen Eintracht Frankfurt zum ersten Mal zum Einsatz zweier Zelte um „verstärkte Einlasskontrollen“ zu gewährleisten. Das diese „Ganzkörperkontrollen“ noch völlig umstritten sind und eigentlich jeder rechtlichen Handhabe entbehren, soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Vorweg schieben muß ich allerdings noch das Fans jeglicher Coleur auf ihre Weise dagegen protestierten, die Ultras Frankfurt zum Beispiel blieben vorm Stadion, andere nutzten andere Eingänge wo es diese Kontrollen nicht gab. So das man am Ende sicherlich nicht die durch das Zelt führte die man eigentlich auf den Plan hatte. Umso erstaunlicher was der FC Bayern am nächsten Tag per Pressemitteilung publik machte.

Bei diesen Kontrollen handelte es sich weder um sogenannte „Nackt-Scanner“, noch um Untersuchungen, bei denen sich Personen „ausziehen“ mussten. Von insgesamt rund 6.600  Frankfurter Fans wurden ca. 30 bis 40 Personen gebeten, ihre Jacken abzulegen und teilweise ihre Taschen überprüfen zu lassen. Dies sieht der FC Bayern als seine Aufgabe an, um z.B. verbotene Pyrotechnik und Gewalt im Stadion zu verhindern und um damit die Sicherheit von rund 71.000 Zuschauern in der Allianz Arena zu gewährleisten. Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen von der Polizei und dem Ordnungsdient u.a. 20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt.

Ob man die Formulierung so bewußt oder unbewußt gewählt hat sei mal dahin gestellt…spannend wird was die Presse aus solch einer PM dann macht, so konnte man bei bild.de lesen

Bayern Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: „30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.“ Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

Die Süddeutsche schrieb beispielsweise unter dem Titel „FC Bayern verteidigt Sonderkontrollen vor Frankfurt-Spiel“…

… extra zwei Zelte aufgebaut … wurden darin stichprobenartig Frankfurter Fans kontrolliert. Dabei wurden sichergestellt: 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray, außerdem Kokain.

also spätestens jetzt wird der geneigte Leser natürlich die Maßnahmen als Zurecht rechtfertigen, spricht doch das Ergebniss eine deutliche Sprache. Stefan Krieger, Journalist und Schreiber des Eintracht-Blogs der Frankfurter Rundschau „Blog-G, kam das merkwürdig vor. Also fragte er nach:

Fast die gesamte Medienlandschaft übernimmt ungeprüft eine schlampig formulierte PM der Bayern. Und so wundert sich keiner, dass bei 30-40 überprüften Fans angeblich 22 Messer gefunden worden sein sollen. Ein einziger Anruf bei der Polizei München klärt auf: Es wurden 22 Messer bei allen Kontrollen aller 71000 Zuschauer gefunden. Eine Quote, die in der S-Bahn höher sein dürfte.

Warum eine schlampige PM des FC Bayern? „Bei den Kontrollen am Samstag wurden im Übrigen …“ ist keineswegs dasselbe wie „Bei den Überprüfungen der Frankfurter Fans …“ oder „In diesen Zelten wurden …“ oder auch nur „Bei diesen Überprüfungen …“.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt…noch spannender wird es aber wenn man sich noch die Updates des G-Blogs zu Gemüte führt…und spätestens jetzt darf man sich fragen was überhaupt noch wahr ist an dieser Pressemitteilung!!!

13.11.12, 10:30 Uhr – Rücksprache mit Markus Hörwick, Pressechef des FC Bayern: Es stimmt, sämtliche Gegenstände wurden bei der Kontrolle in und UM (!) das Stadion sichergestellt. Zu dem, was IM Zelt sichergestellt wurde (wenn überhaupt etwas gefunden wurde) kann Herr Hörwig keine Angaben machen.

13.11.12, 15:56 Uhr – Rückruf von der Polizei München und Antwort auf die Fragen
1) Bewegen sich die “Vorfälle” bei der Partie FCB – SGE im Rahmen des Normalen?
Keine signifikante Abweichung von anderen Spielen des FC Bayern.
2) Bewegt sich die Anzahl und die Qualität der sichergestellten Gegenstände im Rahmen des Normalen?
Es waren schon mehr – es waren schon weniger. Keine signifikante Abweichung. Die Gegenstände, die sichergestellt werden, werden vom privaten Ordungsdienst der Polizei gemeldet. So auch die Anzahl von 20 Messern.
3) Welche Gegenstände wurden bei den Untersuchungen in den Zelten sichergestellt?
Keine Angaben möglich. Das weiß niemand mehr.

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