Stahlwerk


Reclaim the Game…
18. Oktober 2012, 23:01
Filed under: All, Artikel

Wenn ein Laden wie die DFL mit einem Schreiben ums Eck kommt mit dem wohlklingenden und kurzen Namen

INFORMATION UND DISKUSSION ÜBER WEITERE SCHRITTE ZUR UMSETZUNG DER ERGEBNISSE DER SICHERHEITSKONFERENZ IN BERLIN UND DER INNENMINISTERKONFERENZ („Sicheres Stadionerlebniss“).

wird man schnell stutzig. In diesem Zusammenhang auch noch das Wort Diskussion miteinzuarbeiten ist eigentlich ne Frechheit, aber fangen wir nochmal ganz von vorne an. Im November 2011 gründeten die DFL, der DFB und das Bundesministerium des Inneren eine sogenannte „Task Force Sicherheit“. Themenfelder dieser „Task Force“ sind Verhaltenskodex, Stadionverbote, Prävention, Fan-Privilegien, Kontrollsysteme und Sportgerichtsbarkeit. Im vergangenen Sommer fand dann die sogenannte „Sicherheitskonferenz“ statt, mit dabei Vertreter aller Proficlubs mit Ausnahme des 1.FC Union Berlin. Alle Vertreter unterschrieben eine sogenante Absichtserklärung die aus ein paar weichen Formulierungen bestanden die da heißen mehr Geld für Präventionen und härtere Strafen im Kampf um die „Befriedung“ des Stadions…selbsterklärtes Ziel „zum Schutz der einzigartigen Fankultur in Deutschland“. Mal ehrlich wie nah sind wohl ein Innenminister Friedrich oder ein Herr Rauball von der DFL je einer Kurve gekommen? Wie wollen Menschen über etwas entscheiden von dem sie noch nicht mal im Ansatz eine Ahnung haben? Die Fans wurden zu keinem Zeitpunkt zu einem dieser „Task Force“ Treffen eingeladen, man stellt sie schlicht vor vollendete Tatsachen.

Dieses oben genannte 33seitige Dokument zeigt deutlich das es jetzt ums Ganze geht. Mit der juristischen Keule wird zum großen Schlag ausgeholt. Das Handlungsfeld Nummer sechs besagt: „Entwicklung von Strafen und Strafsanktionen, die zu mehr Sicherheit im Stadion und höherer Akzeptanz der Sportgerichtsbarkeit führen“. Nun kann man zu diesem Rechtsstaat stehen wie man will, aber grundsätzlich funktioniert das ganz ordentlich. Wenn jemand gegen Regeln verstößt, dann ist es eine Ordnungswidrigkeit oder ein Straftatbestand und kann entsprechend verfolgt werden. Für den  Sport gibt es Ausnahmen: dieser hat eine eigene Sportgerichtsbarkeit, um nicht jede missglückte Grätsche als Körperverletzung verfolgen zu müssen und den Besonderheiten des Sports gerecht zu werden. Mit der Teilnahme am Spielbetrieb unterwirft sich jeder Verein und seine Spieler dieser Regelung. Die Sportsgerichtbarkeit kümmert sich um die Verstöße im sportlichen Wettkampf oder bei Fehlverhalten von Vereinen oder Spielern z.B. bei Lizenzverstößen, Bestechungsskandalen ect. Für das randalieren von Fans in welcher Form auch immer (ob Körperveletzung, Diebstahl ect.) gibt es die ordentliche Gerichtsbarkeit. Das heißt die Polizei ermittelt und klärt auf, bringt das Ganze zur Anklage vor einem ordentlichen Gericht. Dort wird nach klaren rechtsstaatlichen Abläufen verhandelt, beurteilt und gegebenenfalls verurteilt. Doch schon in der Vergangenheit konnte man beobachten das die DFL und der DFB sich immer mehr von dieser Aufteilung entfernen. Dabei ist fraglich inwiefern zum einen die Sportgerichtsbarkeit überhaupt von seinen Abläufen und Maßstäben dafür geeignet ist und zweitens inwieweit das überhaupt rechtens ist. Hat der Fan doch keinerlei Chance auf Beeinflussung des Verfahrens und wird am Ende auch noch doppelt für seine Tat bestraft.

Der Punkt „Sportgerichtsbarkeit“ ist dabei nur einer von sechs Punkten. So geht es auch um das Thema Stadionverbote, wo man nach der „Aufweichung“ 2007 wieder härter durchgreifen will und zurück zu 5 Jahren möchte, in Ausnahmefällen auch zehn Jahre. Fan-Privilegien soll es nur noch in Verbindung von verbindlichen Fan-Kodizes geben. Stichwort Verhaltenskodex. Zu diesem sollen sich alle Beteiligten gemeinsam bekennen (offizielle Fanclubs ect.). Des Weiteren: Die technischen und organisatorischen Möglichkeiten bei den Einlasskontrollen sollen verbessert werden. Ein zielgerichteter Ticketverkauf soll diskutiert werden, die Absichten dahinter dürften jedem einleuchten. Zielgerichteter Ticketverkauf? Das lässt einiges offen. Einiges vermuten. Einiges befürchten. Auf dem Prüfstand – und das ist nicht wirklich überraschend – sind zudem die Stehplätze, die zwar Teil der Fußballkultur in Deutschland, jedoch kein „unveränderbarer Besitzstand“ seien. Zum Erhalt der Stehplätze müssen laut Papier auch die Fans ihren Beitrag leisten. Andauerndes Fehlverhalten von Störern und Problemfans könne den Erhalt der Stehplätze gefährden.

Extrem spannend ist die Seite 15, da geht es um die Statuarische Verankerung von Mindestvorgaben einer Vereinbarung zwischen Clubs und Fans. Diverse Fan-Privilegien sollen nicht länger gewährt werden, sollte die Fanvereinbarung nicht eingehalten werden. Was für Privilegien da gemeint sind würde mich wirklich mal interessieren. Das man Tickets kaufen kann? Eine Fahne aufhängen darf oder das man seine freie Meinung per Spruchband äussern darf? Eine „Zero Tolerance“ soll es auch beim Zeigen von Transparenten mit rassistischen, diskriminierenden und grob beleidigenden Inhalten geben. Klingt erstmal richtig und ist es auch, allerdings kann das „grob beleidigend“ sehr weit ausgedehnt werden. All diese Punkte sind nur ein Teil aus diesem sogenannten Konzeptpapier das nach mitgelieferter Zeitlinie am 12.12.12 von der Mitgliederversammlung der DFL beschlossen werden soll. Danach sollen DFB-Generalversammlung und Bundestag zustimmen.

Wofür das Alles?

die Frage muß erlaubt sein…um Stadien zu befrieden die eh schon friedlich sind wie nie? Auch wenn der Vergleich schon langsam ein Bart hat es macht ihn nicht unrichtiger…auf dem Münchner Oktoberfest passieren mehr Straftaten als in einer ganzen Bundesligasaison. Warum macht man dafür nicht solch eine „Task Force“ mit Innenminister? Vielleicht weil das Oktoberfest schon das ist was die Fußballstadien erst noch werden sollen. Ein kommerzielle Veranstaltung deren einziger Sinn das Geldverdienen ist?…(ja beim Oktoberfest ging es am Anfang auch mal um Sport). Alles ausgerichtet nach dem großen Vorbild Premier League. Neidisch schauen die Funktionäre auf die Vermarktungs- und Fernsehgelder die man dort kassiert. Dabei wird gerne vergessen, dass ein Vergleich der Bundesliga mit der EPL aus mehreren Gründen nicht ganz aufgehen kann, da letztere diverse Vorteile für die internationale Vermarktung aufweist — den Bonus, als erstes auf dem Markt gewesen zu sein, die weitaus geringere Sprachbarriere und die weitaus größere internationale kulturelle Ausstrahlung. Und wenn man nicht nur auf Verträge schielen würde, würde man vielleicht auch merken das die Zuschauerzahlen in England rückgängig sind und das Durchschnittsalter steigt. Davon ab halte ich es auch für zu kurz gedacht, denn klar wollen die in der DFL mächtigsten Clubs wie der FC Bayern auch international konkurrieren können, aber was hilft das den Clubs in Liga 2 oder 3 die ebenfalls in der DFL organisiert sind? Steigende Kosten fürs spielende Personal dürfte alles sein was sie davon haben, denn warum soll sich ein Chinese ein Trikot von Aalen oder Regensburg kaufen? Diese Vereine werden in Fernost in Zukunft genauso gefragt sein wie aktuell.

Im Moment scheint es so als wäre die einzige Möglichkeit das Ganze noch aufzuhalten der Weg über die Vereine. Der 1.FC Union hat den Anfang gemacht, aber ohne die nötige Solidarität anderer Clubs wird man über kurz oder lang auf Probleme stoßen. Beim FC St.Pauli organisieren die Fans den ersten Widerstand der seinen Höhepunkt auf der Mitgliederversammlung erleben dürfte. Hoffen wir das auch dort danach ein „No Go“ kommt. Was können wir Neinkeijer tun? Zur Fandiskussion nach Friedrichsthal gehen und dort ein Zeichen für Fanbelange setzen, schließlich muß das Papier noch durch den Bundestag und wenn dann schon ein Bundestagsabgeordneter einlädt…

Wehret den Anfängen und jeglicher weiterer Entwicklung in die aktuell von DFB und DFL vorgegebene Richtung!

Interessant gestaltet sich die Haltung des 1.FC Union Berlin der weder die Vorabvereinbarung unterschrieben hat, sich sonst dem Druck beugt, im Gegenteil mittlerweile hat man eine beeindruckende neunseitige Erklärung abgegeben warum dieses Konzept für sie keines ist. Mit Begründung, Fußnoten und allem drum und dran. hier

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