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Was sind die Gründe für den akuten Tiefpunkt
24. Juli 2012, 00:02
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Was ist bloß los im Ellenfeld? Die Mannschaft von Trainer Paul Linz steht nur auf dem 8.Rang nach 15 Runden, gewann nur 7 ihrer Spiele – und das obwohl man mit einer runderneuerten Mannschaft als Mitfavorit in die Saison startete. Was sind die Gründe für den akuten Tiefpunkt?

Zu Hause ist man keine Macht mehr, von sieben Heimspielen gewann man 4, verlor 2 gegen Teams wie Wirges und Ludwigshafen und spielte unentschieden gegen Pirmasens, auswärts sieht die Bilanz noch verherrender aus mit 5 Niederlagen. Im Vergleich zur Vorsaison zeigt die Bilanz 2 Siege mehr auf, bei gleicher Anzahl von Niederlagen, auch beim Torverhältniss zeigt sich eine kleine Verbesserung bei den Gegentoren.
Der erweiterte Kader der Mannschaft umfasst 23 Spieler, von denen 3 aus der eigenen Jugend aufrückten. Allein 13 Spieler sind 23 und jünger, damit stellt die Jugend den größten Teil des Kaders, gerade mal 3 Spieler sind älter als 25. Dauerhafte Verletzungen konnten mit Ausnahme von Wiener und Vuletic vermieden werden. Was also sind die Gründe für die durchwachsene Saison?

1. Transferpolitik

Der Sommer 2011 war in Neunkirchen keine Jahreszeit für glückliche Transfers. Für die Möglichkeiten, die scheinbar da waren, wurde sogar extrem schlecht gehandelt. Statt punktuell vorzugehen wurden 11 neue Spieler geholt. Eine Mannschaft am Reissbrett skizziert, mit den Möglichkeiten die man eben hat, geprägt von Paul Linz. Mit Patschinski, Weißmann, Stelletta oder auch Racanell verpflichtete man gestandene Spieler für die Schlüsselpositionen. Den Rest des Teams prägt die sogenannte “Trierer Filiale” (ohne Wertung). Auffallend ist das man vor allem die Offensive im Blick hatte.

Für die eben genannten Schlüsselpositionen, die mit routinierten Antreibern besetzt werden müssten, holte Borussia teils Fußballer, die selbst in der Oberliga keine Berechtigung haben sollten, Stammspieler bei einem Team im oberen Drittel zu sein. Fabio Fuhs noch im Winter geholt, wurde binnen kürzester Zeit von einem verlässlichen Defensivmann, dem man in jeder Spielsituation Vertrauen schenken konnte, zu einem biederen, fehleranfälligen Durchschnittsfußballer. Ähnliches gilt für Pascal Stelletta, der in der 10er Position den kreativen Moment ausmachen sollte. Im Gegenzug mussten andere den Verein verlassen, wichtige Stützen in der Vergangenheit wurden nicht mehr berücksichtigt.

Die wahrscheinlich wichtigsten Neuverpflichtungen heißen Racanell, Weißmann und Bidon – doch auch diese Spieler stoßen in einem schwachen Gesamtgefüge an ihre Grenzen. Zudem werden die drei, eigentlich Fußballer des Typs, den jedes Team braucht, nicht immer richtig „genommen“: Bidon durfte des Öfteren nicht von Beginn an spielen, Weißmann wurde erst nach seinem Wechsel auf die 6 stärker und Racanell kann aufgrund seiner Defensivaufgaben seine offensiven Stärke nicht ausspielen.

2. Unerfahrenheit und fehlende Konstanz

Das zweite große Problem, das sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht ist, dass es kaum einen Spieler gibt der wirklich das Zeug für nen Führungsspieler ausstrahlt. Nico Patschinski wandelt immer wieder zwischen Führungsspieler und Durchschnitt. Deniz Siga letzte Saison noch 9 Tore in 12 Spielen läuft seinem Anspruch nach oben und seiner Form, 3 Tore bisher, hinterher. Weder Weißmann (0 Tore/0 Vorlagen) noch Stelletta (3 Tore/0 Vorlagen) konnten die Lücke von Almir Delic, zum selben Zeitpunkt der vorigen Saison mit 6 Toren und 2 Vorlagen, füllen.

Ein weiterer Grund die Unerfahrenheit, die Abwehr mit Spielern wie Petersch, Steinbach oder dem Eigengewächs David Becker besteht zum Großteil aus Jungs die gerade ihre erste Saison im Männerbereich spielen. Die Defensive ja auch schon letztes Jahr ein Problem wurde beim Zusammenstellen des Kaders vernachlässigt, der Abgang von Mijatovic verschärfte die Situation zusätzlich.
Oft wurde die junge Mannschaft als Argument eingeräumt, weshalb man Geduld haben sollte, ein genauer Blick auf die Statistik zeigt das Borussia mit einem Durchschnittsalter von 23,8 Jahren die viertälteste Mannschaft ist – das Beispiel Homburg 22,7.

4. Taktische Flexibilität der Spieler

Paul Linz ist ein Fußballfachmann, der seine Prinzipien sowohl theoretisch als auch praktisch klar definiert. Dabei setzt er auf Spieler die ihre Rolle “klassisch” ausfüllen was somit auch zwangsweise die taktische Flexibilität einengt, andernseits kennt Paul Linz diese Spieler und vertraut auf die Fähigkeiten des Einzelnen. Die Individualisten des Borussen-Kaders sind zugleich Spezialisten. Die meisten Kicker leben auf dem Platz ihr spielerisches und technisches Naturell aus, das sich jedoch immer wieder als zweidimensional erweist. Die Gegner stellen sich rasch auf die Spieler ein und nehmen ihnen den Wind aus den Segeln – viel zu selten passiert im Spiel der Borussen etwas wirklich Unerwartetes. Die wenigen Kicker, die den Überraschungsmoment förmlich suchen könnten sind Weißmann, Racanell, Stelletta oder in Ansätzen der junge Cullmann. Alle anderen sind in hohem Maße ins Korsett ihrer Möglichkeiten gepresst. Nico Patschinski etwa: Seine Stärken sind bekannt, seine Schwächen ebenso und jeder sollte wissen, was der „Alte“ braucht um seine Tore zu machen – so allerdings auch die Gegner. Kurzfristige Genieblitze von Spielern wie Issa oder Bebua sind zwar ein Spiegelbild für die Qualität des Kaders, passieren allerdings viel zu unregelmäßig. Womit wir auf lange Sicht wieder beim Thema Transferpolitik wären…

3. fehlende Identifikation

Eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft mit Spielern von außerhalb trägt immer das Risiko fehlender Identifikation…Woher sollen sie, sie auch haben? Eine komplette Mannschaft kommt fast vom selben Ex-Verein, das verbindet und fördert nicht unbedingt die Integration in den neuen Verein.
Augenscheinlich gingen Mannschaft und Trainer ihren eigenen Weg, verzichteten dabei auf das mitnehmen des Umfeldes, gerade auch in kritischen Situationen.

Die Bankrotterklärung

Das gestrige Interview von Martin Bach (Vorstand und zuständig für den sportlichen Bereich) in der Saarbrücker Zeitung, war die Bankrotterklärung des Konzeptes Paul Linz. Allerdings fehlte dabei das eigene Infrage stellen…denn die Bausteine die man umdrehen will hat man maßgeblich mitgeholt.

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