Stahlwerk


von Einem der den Spaß und den Fußball liebt…
23. Juli 2012, 23:29
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So diesmal geht es um Nico Patschinski…ehrlich gesagt der Mann könnte ein Buch schreiben, ich würde es mir sofort kaufen. Diese Karriere ist weder Bilderbuchmäßig noch Generalstabsmäßig geplant. Dieser Typ ist einfach echt und geradeaus. Und wer auf die Frage was er nach seiner Karriere macht:“Na ich denke mal, so täglich ab halb zehn an der Kaufhalle sitzen und ein Bier trinken, das ist mein Wunsch”,antwortet der kann einfach nur ein ganz Großer sein. Dennoch er ist öfter angeeckt und doch scheint er überall seinen Frieden gemacht zu haben. So ne Berliner Schnauze ist halt gewöhnungsbedürftig und nicht jeder kann damit umgehen. Warum er kurzzeitig als polnischer Nationalspieler im Gespräch war und warum er den Wechsel nach Ahlen als Fehler bezeichnet…lest ihr im zweiten Teil.

Mit Nico Patschinski spielt seit nem halben Jahr eine echte Type bei Borussia. Patschinski gehörte sicherlich nie zu den aalglatten Spielern wie sie heute die Profifußballlandschaft beherrschen. Keine Ahnung ob er je so ne Medienschulung bekam wie es heute so üblich ist, wenn ja hat´s wohl nicht viel geholfen. Gott sei Dank kann man da nur sagen. Geboren und aufgewachsen ist Nico Patschinski in Ost-Berlin. Die erste Sportart die ihn interessierte war Eishockey und das schon mit 4 Jahren. Eigentlich fast zwangsläufig gehörte doch sein Vater Rainer zu den Aushängeschildern des späteren SC Dynamo Berlin, heutzutage besser bekannt als Eisbären Berlin. 5 mal DDR Meister und 283 Spiele im Trikot der DDR Nationalmannschaft sorgten dafür das er in die “Hall of Fame” des Eishockeysports einzog. Das Sohn Nico die Kufen an den Nagel hängte war familiär bedingt, aus kaderpolitischen Gründen musste sein Vater seine Karriere beenden. Er hatte zu viele Kontakte zur Westverwandtschaft aufgrund der internationalen Eishockeyspiele, deshalb sagte ihm seine Mutter das er im Eishockey nicht weit kommen würde. Er sollte es lieber beim Fussball probieren. Später sagte er einmal über seine Uneigennützigkeit vorm Tor: „Ich habe früher gerne und viel Eishockey gespielt. Da muss man vor allem vor dem Tor immer wieder quer zum besser postierten Mitspieler passen. Das kommt mir auch beim Fußball zugute.“ Also ging es mit 6 Jahren zum BFC Dynamo. Bekanntlich Mielkes Lieblingsclub und so war auch hier schnell klar das er den direkten Weg nicht schaffen würde zu mal “Patsche” kein Geheimniss draus machte das er Westfernsehen zu Hause schaute und Panini Bilder sammelte. Nur um das nochmal klar zu stellen wir reden hier über den Stasivorzeigeverein so etwas hätte auch ganz anders ausgehen können. Seine persönliche Strafe waren mal wieder ein paar Steine im Weg und so wollte man in zum EAB (Elektro-Arbeiter-Betrieb) so eine Art Tochter Verein abschieben. Doch über den Umweg Union Berlin schaffte er es in die KJS (Kinder und Jugendsportschule). Der Wechsel zu Union war logischerweise nicht gern gesehen und so erzählte er offiziell das er mit dem Fußball aufhören wollte um seinen Paß zu bekommen. 1994 feierte er dann sein Debüt bei den Herren der “Eisernen”. Er selbst bezeichnet die Zeit als eine wunderschöne, obwohl Lizenzentzüge, gefälschte Bankbürgschaften und die ständige Pleite dem Verein bedrohte.

Ende 97 sollte es dann aber vorbei sein, er wechselte zum SV Babelsberg 03. Der Wechsel sollte nicht ohne unschöne Geräusche vonstatten gehen. “Ich denke, da hat jeder so seine Aktien drin. Mitte 1997 ging es dem Verein schon richtig schlecht, wir hatten schon vier bis fünf Monate Gehaltsrückstand. Ich hatte dann ein gutes Jahr erwischt, habe wohl so um die 9 Tore geschossen, bis zur Winterpause. Bereits im September wollte mich der Ortsrivale haben, aber mein Herz schlug für Union, ich lehnte dankend ab, trotz Gehaltsrückstand. Doch in der Winterpause wurde vom Präsi Bertram gesagt, daß der Verein bankrott sei. Und daß Spielern, die wechseln wollen, keine Steine in den Weg gelegt werden. Da kam das Angebot wie gerufen, schließlich gab’s da regelmäßig Geld und mein Ex-Trainer sowie Co-Trainer und zwei oder drei ehemalige Mitspieler waren auch da. Jedoch war’s so, daß ich auf mein ausstehendes Gehalt verzichtet habe und Union dann noch ca. 50.000,- für mich kassiert hat. Davon habe ich natürlich nichts gesehen. Einen Monat später haben mich die Offiziellen als Verräter hingestellt, dabei haben sie noch einen Monat vorher in der Kabine vor allen Leuten gesagt, daß ich ein Großer bin. Jeder, der dabei war, kannte die Wahrheit.”

Eigentlich gab es auch andere Optionen, warum es letztendlich nicht klappte:“Ich hätte Probetraining bei der Eintracht (unter Horst Ehrmantraut und bei Hansa (unter Ewald Lienen) machen können. Aber so ein Probetraining wollte ich mir nicht antun, wußte ja, wie das so ist, wenn Probespieler zu uns kamen, wußte ja, wie das abläuft. Die haben mich ja oft genug bei Spielen gesehen, wenn sie mich wirklich haben wollen, können die mich gleich kaufen oder ich spiele hier weiter. So habe ich mich dann auch entschieden.”

In Babelsberg lief es dann nicht ganz rund, man kämpfte erwartungsgemäß gegen den Abstieg. Die Fans sahen das ein wenig anders und so wurden die Spieler fleißig beschimpft besonders die Spieler die vom 1.FC Union nach Potsdam gewechselt waren. Patschinski löste dieses Problem auf seine Art, nach seinem Wechsel nach Dresden schoß er ein entscheidendes Tor im Kampf um den Klassenerhalt ausgerechnet in Babelsberg, als Torjubel gab es für die Babelsberger Fans den Mittelfinger. Danach kommt eine Zeit die bei “Wikipedia” mit Wandervogel beschrieben wird, ob man das immer so sehen kann, darüber kann man sicherlich streiten. Auf den ersten Blick hätte ich das auch so gesehen, aber wenn man sich dann doch etwas mehr mit dem Werdegang von Nico Patschinski auseinandersetzt wirkt es doch oft anders. Dresden sollte gerade eine chaotische Zeit durchmachen, mit vielen Wechseln in der Vorstandsetage genauso wie auf der Trainerbank. Der Wechsel nach Fürth war aus sportlicher Sicht der Sprung ins Profigeschäft, aber die Stadt und die Mentalität war für den Großstadtmenschen dann doch gewöhnungsbedürftig:“Was es wirklich bedeutete in Fürth nicht nur zu spielen sondern zu leben, wurde mir erst dann als eingefleischter Großstädter bewußt. In Dresden gab es viele Möglichkeiten was zu machen und dann hingegen kommst du nach Fürth, wo sich das Leben hauptsächlich bei IKEA und McDonalds abspielt….außerdem ist die Mentalität der Franken nicht wirklich mein Ding.”

Sportlich bekam er kein Fuß auf den Boden und nach 10 Einsätzen ohne Tor wechselte er auch schon in der darauffolgenden Saison nach Hamburg. Der FC St.Pauli sollte sein neuer Arbeitgeber werden“Auschlaggebend für mich war das Konzept, mit einem kleinem Etat und einer jungen Mannschaft die Liga aufzumischen und wenn es sich auch doof anhört, die finanziellen Einbußen haben mich nicht gestört. Die Atmosphäre hier kriegt man erst nach und nach mit, daß kann man nicht sagen: ich war sofort total begeistert. Man muß hier halt für St. Pauli gespielt haben.”

Im Gegensatz zu den vielen Spielern die immer erzählen welch Traum für sie in Erfüllung geht, sah er die Station zuerst mal aus einem anderen Blickwinkel:“Ich denke, jeder sollte einfach mal ehrlich sein. Es gibt da ‘ne Menge Spieler, so kommt es zumindest in der Presse rüber, die sagen bei St.Pauli wollte ich immer schon mal spielen, die haben tolle Fans und so. Ich fand es zwar toll, was ich im Fernsehen gesehen habe, aber auch Bayern ist im Fernsehen toll. Trotzdem möchte ich da nicht spielen.”

Mit den Hamburgern schaffte er den Sprung in die Erste Bundesliga und am 6. Februar 2002 schoss er im Spiel gegen den FC Bayern München das 2:0, wodurch er maßgeblichen Anteil am überraschenden 2:1-Sieg der Kiez-Kicker über das Münchner Starensemble hatte. Dadurch wurde St. Pauli zum „Weltpokalsiegerbesieger“! Sportlich dürfte dies zugleich der Höhepunkt seiner Karriere gewesen sein.

Gleichzeitig erlebte er hier auch seine ersten Abstiege “Das wir mit St. Pauli aus der ersten Liga absteigen, das war ja vorher schon fast allen klar. Da hätte schon ein Wunder her gemusst, um das zu schaffen. Aus der zweiten Liga mit Pauli abzusteigen war schon bitter, weil das nicht nötig war. Das war eigentlich sehr schade.” Nachdem Patschinski dann bei Trainer Franz Gerber in Ungnade gefallen war und aussortiert wurde, kam ihm der Wechsel nach Trier ganz recht. Zwei Jahre sollten es in der Moselstadt werden, in denen er Paul Linz schätzen lernte. Doch auch seine 23 Tore in den zwei Jahren konnten den Abstieg nicht verhindern.

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