Stahlwerk


Man sieht sich im Leben immer zweimal
23. Juli 2012, 23:20
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Man sieht sich im Leben immer zweimal, sagt der Volksmund…erfahrungsgemäß hat er selten Unrecht. Ein gutes Beispiel dafür liefert Racanel. Sicherlich gehört dieser Wechsel nicht in die Kategorie “Dankbarkeit”, sondern sein “ewiger” Trainer dürfte wohl der Hauptgrund für diese Entscheidung sein, dennoch dem Zufall hat er viel zu verdanken. Catalin-Pantele Racanel so sein ganzer Name wuchs in Rumäniens Hauptstadt Bukarest auf. 1990 also zu einer Zeit als der Ostblock gerade zusammenfiel, nahm sein Verein Viitorul Bukarest an einem Jugendturnier in Frankreich teil. Auf der Rückfahrt hielt der Reisebus in Saarbrücken, wo Racanels Onkel und Tante lebten, eigentlich war geplant das er zwei Wochen auf Ferien bleibt.

Doch diese zwei Wochen sollten dafür sorgen das er trotz seiner erst 14 Jahre nicht mehr nach Rumänien zurückkehrte. Sicherlich der entscheidende Grund dürften die damaligen Verhältnisse in seiner Heimat gewesen sein. Noch ein Jahr zuvor kämpfte das rumänische Volk um seine Freiheit, erst als sich die Armee mit den Demonstranten verbündete gelang es sich vom Ceausescu Regime zu befreien. Der Diktator Ceausescu wurde am 25. Dezember 1989 vor ein Militärgericht gestellt und standrechtlich erschossen.

Der Fussball sollte Racanels einzigste Konstante in der Zeit bleiben, über die Jugendabteilungen der SG Erbach und dem FC Homburg folgte der erste Wechsel zur Borussia, über die zweite Mannschaft schaffte er es in den drei folgenden Spielzeiten auf 33 Einsätze und ein Tor in der Regionalliga zu kommen. Wie viele andere in den kommenden Jahren auch, wechselte er an die Kaiserlinde nach Elversberg.

Doch dort sollte es ihn nicht lange halten, schon nach einem Jahr ging es weiter zur Trierer Eintracht. Hier entwickelte er sich schnell zum Stammspieler und Leistungsträger so das auch Proficlubs auf ihn aufmerksam wurden. Es folgte der Wechsel in die 1.Liga zum Kultclub FC St.Pauli, doch es sollte einfach nicht sein, durch Verletzungen gehandicapt schaffte er es gerade mal auf sieben Einsätze in der ersten Liga. Der FC St.Pauli musste am Ende der Saison absteigen doch auch in der darauffolgenden Saison kam er wieder nur zu sieben Einsätzen. Er selbst über diese Zeit:“St. Pauli ist der Kultverein in Deutschland schlechthin und ich bin sehr stolz darauf hier gespielt zu haben, auch wenn es für mich durch viele Verletzungen und Krankheiten eine unglückliche Zeit war.”

Es folgte der Wechsel zurück zu Paul Linz und Eintracht Trier. Eine nachvollziehbare Entscheidung, dürfte das Selbstvertrauen doch nicht allzu groß gewesen sein nach dieser Erfahrung.

Der “Kicker” damals: “Ich bin einfach nur glücklich, auf dem Platz zu stehen”, so der bescheidene Rumäne. Vor zwei Jahren verließ der 26-Jährige Trier und versuchte sein Glück beim FC St. Pauli. Ein Bänderriss stoppte den sensiblen Linksfuß; dass er kaum spielte, deprimierte ihn. Vor der Saison holte Paul Linz ihn zurück. “Ich weiß, was Catalin kann”, sagte der Eintracht-Coach damals und gab dem Rumänen von Beginn an volle Rückendeckung. Und der laufstarke Rumäne mit dem großen Kämpferherz zahlt es nun zurück.”

Unter Paul Linz erkämpfte er sich wieder einen Stammplatz und konnte an seine Leistungen vor der Verletzung anknüpfen. In den beiden folgenden Jahren brachte er es auf 65 Einsätze, in denen er 13 Tore erzielte. Zwischenzeitlich legte er auch seine rumänische Staatsbürgerschaft ab, nachdem er zuvor die deutsche erhalten hatte.

Nach dem Abstieg von Eintracht Trier wechselte er zu LR Ahlen, wo er auch wieder auf Patschinski traf. Der sich so dazu äußerte:“Wir verstehen uns auch privat sehr gut, kennen auf dem Feld unsere Laufwege.”

LR fand sich schnell im Abstiegskampf wieder und wie das so ist tauscht man in solch einer Situation eben den Trainer aus. Frantisek Straka nahm seinen Hut und räumte den Platz für einen alten Bekannten, Paul Linz. Der”Kicker” aus der Zeit“Sein Trainer Paul Linz entscheidet derzeit je nach Bedarf, alte Seilschaften zwischen ihm und Racanel aus Trierer Zeiten gibt es nicht.” und weiter “Nur bei einem Thema, da weiß Catalin Racanel genau, was wichtig und richtig ist: die Mannschaft. “Von mir aus sitze ich wie in Freiburg auf der Bank, einzelne Personen zählen derzeit nicht”, akzeptiert der 29-Jährige seine derzeitige Situation”.

Bekanntlich stieg das Trio erneut ab und für Racanel sollte es mal wieder einen Schnitt geben. Der FC Sachsen Leipzig lockte ihn in die damals viertklassige Oberliga Nordost. Geldgeber des Vereins war Kinoweltbesitzer Kölmel. Was wohl auch diesen sportlich wenig reizvollen Wechsel erklärt.

Mag es finanziell sinnvoll gewesen sein, so war es sportlich deprimierend. Eine zusammen gekaufte Mannschaft bewies einmal mehr das nicht immer das Geld die Tore schießt. Ob er überhaupt je seine ganzen Gehälter gekriegt hat, kann man zumindest anzweifeln versuchte man doch gegen Ende ihn mit allen Mitteln von der Gehaltsliste zu bekommen.

Nach zwei durchwachsenen Jahren, in denen er in 40 Spielen 5 Tore erzielen konnte, wechselte er zu Beginn der Saison 2008/2009 zum 1. FC Magdeburg. Der Trainer dürfte hinlänglich bekannt sein. Trotz der Tatsache das er Stammspieler war, konnte er sich nie wirklich in die Herzen der FCM Fans spielen und als es dann in der zweiten Saison einen Trainerwechsel gab, war auch für Catalin das Abenteuer Magdeburg beendet. Der Verein hatte kein Interesse mehr an einer Vertragsverlängerung.

Nun kehrt er also wieder zurück an die Stätte wo seine Karriere einst begann, er wird wieder seinen Förderer Paul Linz treffen und seinen alten Weggefährten Patschinski hoffentlich mit zahlreichen Flanken füttern…viel Glück Catalin und zeig nochmal zum Abschluß was du drauf hast.

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